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Nicht sterben. Weiterleben. Durch einen anderen.

Die einführenden Worte sprach Univ. Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorsitzender der Rudolf Pichlmayr – Stiftung und Primarius des Rehabilitationszentrums „Ederhof“.
Jedes Jahr erhalten rund 300 Kinder und Jugendliche in Österreich und Deutschland ein fremdes Organ – eine Niere, eine Leber, ein Herz oder eine Lunge. Mit einem fremden Organ zu leben bedeutet für diese schwerkranken jungen Menschen die einzige Chance, zu überleben.

Während sich die medizinischen Chancen der Transplantationsmedizin in den zurückliegenden Jahr- zehnten erheblich verbessert haben, sind die Aufgaben der Umfeldbetreuung nicht nur der Kinder, sondern auch ihrer Familien, enorm gewachsen. Hier eine ausreichende Hilfestellung zu leisten und damit den medizinischen Fortschritt für die Kinder, ihre Angehörigen und unsere ganze Gesellschaft nachhaltig erlebbar zu machen, betreibt die Rudolf Pichlmayr-Stiftung ein in dieser Art europaweit einzigartiges Rehabilitationszentrum, den „Ederhof“ in Osttirol.

„Die medizinische Versorgung und Nachsorge von Kindern mit schweren Erkrankungen ist eine wichtige Voraus- setzung für ihre erfolgreiche Behandlung und die Nutzung der Möglichkeiten des medizinischen Fortschritts. Damit entstehen Lebensperspektiven für junge Menschen, die bis vor kurzem keine Chance auf ein gelingendes Leben hatten“, so Eckhard Nagel. „Das Rehabilitationszentrum „Ederhof“ in Stronach zeigt exemplarisch für ganz Österreich, welche Möglichkeiten hier und heute in der Rehabilitation von jungen Menschen gegeben sind und ist ein Ansporn, für alle betroffenen Kinder und Jugendlichen vergleichbare Versorgungsstrukturen zu schaffen.“

Als einziges Kinderrehabilitationszentrum Österreichs ist das Rehabilitationszentrum Ederhof seit 2009 komplett nach KTQ zertifiziert. Auf der Basis einer mehr als 20-jährigen Expertise sowie der für die Durchführung der speziellen Rehabilitationskonzepte notwendigen personel- len, räumlichen, medizinischen und therapeutischen Ausstattung ist ein hoher Qualitätsstandard garantiert.

Leben mit einem fremden Organ – die Chance auf ein zweites Leben

Zur Lesung kamen auch zahlreiche ehemalige Patientinnen und Patienten des Ederhofes. Unter ihnen eine junge Frau, Bettina K., 26 Jahre alt, der im Alter von 17 Monaten ein Teil einer Spenderleber transplantiert wurde. Heute ist sie selbst Mutter einer gesunden
4-jährigen Tochter.

„Für mich ist dieser Abend sehr berührend und aufschlussreich. Als ich darauf gewartet habe, dass ein passendes Organ für mich gefunden wird, war ich ja noch ein Baby und habe weder die Furcht noch die Zweifel oder die Hoffnung, die sich um mich herum abgespielt haben, bewusst miterlebt. Heute habe ich mit der Lesung einen Einblick zu bekommen, wie es einem Erwachsenen in dieser Situation gehen kann. Es ist ein neuer Blick für mich, der mich nochmal daran erinnert, wieviel Glück ich mit allem gehabt habe. Was mir für Herrn Wagner besonders leid tut ist, dass er wegen seines Alters nie die Möglichkeit hatte, Patient auf dem Ederhof zu sein.“

Bettina war als Kind fast jeden Sommer vier Wochen lang zur Rehabilitation auf dem Ederhof. „Es war einfach mein zweites zu Hause. Die Therapeuten und Schwestern wurden zu einer zweiten Familie und das meist nicht nur für die vier Wochen vor Ort. Die anderen Patienten, die Kinder, Jugendlichen, ihre Geschwister und deren Familien haben mich gesehen, wie ich wirklich war. Plötzlich war ich nicht mehr nur das Kind mit den verfärbten Zähnen oder der riesigen Narbe auf dem Bauch.“ Das Gefühl, sich unter Gleichgesinnten zu bewegen, ist für Bettina „mit so gut wie nichts aufzuwiegen.“

„Das Team des Ederhofes schafft es, sich fürsorglich zu verhalten, ohne uns, die Patienten, in Watte zu packen. Hier wird uns plötzlich etwas zugetraut: wir haben die Kraft, genauso alles zu machen und zu schaffen wie gesunde Kinder auch.“

Gerade ist Bettina mit ihrer kleinen Tochter von einer Reise nach Osttirol zurückgekehrt. Sie wollte ihr gerne den Ederhof zeigen – den Ort, „wo ihre Mama einige ihrer besten Tage verbracht hat.“

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Bilder: © Ärztekammer für Wien, Stefan Seelig